Ein Konzert in „the middle of nowhere“





Fotos: a-ha-net

12. Juni 2004 Middelfahrt, Dänemark

Am Samsatg dem 12. Juni 2004 traten a-ha anläßlich des Festivals „Rock under broen“ in Middelfart/ Dänemark auf - a-ha-net war für Euch dabei um zu berichten.

Middelfart ist ein verschlafenes Nest, in dem man sich sehr schwer tut, in Fußentfernung Einkaufsmöglichkeiten oder Wechselstuben zu finden, wie wir zu unserem Leid, und der Middelfarter Taxifahrer Freude, herausfinden mussten. Die riesige Brücke, die das Festland mit der Insel verbindet, erscheint vor diesem Hintergrund fast schon surrealistisch, denn sie erinnert in ihrer Größe und ihrem Baustil stark an die weltberühmte Golden Gate Bridge. Man würde ein solches Bauwerk eher in einer Metropole vermuten, aber sicherlich nicht in diesem beschaulichen Ort „in the middle of nowhere“. Dennoch steht sie dort und wirft ihren gigantischen Schatten auf die ländliche Idylle - ein sehr beeindruckender Kontrast.

Jedes Jahr wird unter der Brücke gefeiert. Auch in diesem Jahr traten dort wieder verschiedene Bands auf, nationale wie auch internationale Größen, hierzu zählten a-ha, die zusammen mit Nickelback die Headliner des Festivals darstellten.

Den Anfang machte jedoch ein Künstler namens Eran DD - kommerzieller, leicht Pop mit halbherzigen Soulelementen, was in Dänemark sehr angesagt ist, so durfte er für das kürzlich getraute Kronprinzenpaar Frederik und Mary das Hochzeitslied schreiben. Für Stimmung sorgte dann der darauf folgende Auftritt des dänischen Künstlers Lars Lilholt, der wohl so etwas ähnliches wie der dänische Herbert Grönemeyer ist. Seine Musik ist sehr eingängig und weist stellenweise fast schon Volksmusikcharakter auf, kombiniert mit modernen Instrumenten ist der hierbei erreichte Effekt jedoch nicht uninteressant. Im Besonderen die ca. fünfminütige Trommeleinlage, in die ein aus Arhus angereistes Orchester involviert war, war sehr beeindruckend.

Um 17.45 Uhr hatte das Warten für die angereisten a-ha-Fans - und das waren nicht gerade wenig - ein Ende. Die Band betrat die Bühne, nachdem die Menge von 20.000 Menschen sie mit "Oh-oh-oh-oh The living daylights"-Rufen frenetisch auf die Bühne beordert hatte. Petrus schien dies gnädig zu stimmen und lies von nun an die Sonne scheinen, was Morten glücklich zur Kenntnis nahm.

a-ha schienen gut gelaunt zu sein und kommunizierten viel mit dem Publikum. Sie honorierten, dass so viele Fans angereist waren, indem Magne dem Publikum die Frage stellte, ob er denn englisch, norwegisch oder deutsch reden solle. Morten setzte noch eins drauf, indem er nach einem Song „Tusen takk. Thank you und vielen Dank.“ sagte und nach dem letzten Satz sehr freundlich in Richtung der vorderen Reihen nickte und anmerkte „That was for you.“ Die ersten Reihen dankten es ihm mit tosendem Applaus.

Es war schön zu sehen, wie a-ha sich auf ihre Art für die Treue der Fans aus dem Ausland bedankten.

Die Akustik ließ leider zu wünschen übrig, aber a-ha ließen das Publikum diesen Missstand verschmerzen, indem sie musikalisch überzeugten. Die Band schien gut zu harmonieren, Mortens stimmliche Leistung war hervorragend, auch wenn er nicht jeden Ton traf, schien seine Stimme jedoch sehr kraftvoll und stabil. Auch durch Textsicherheit überzeugte er, was er sicherlich dem Textteppich (!) zu verdanken hatte, der zuvor eigens für ihn auf der Bühne ausgerollt worden war.

Die Setlist unterschied sich nicht wesentlich von der der Lifelines-Tour im Jahre 2002. Gestrichen wurden „Turn the lights down“, sicherlich in Ermangelung Annelis, die wir sehr vermissten, „Did anyone approach you?“ und „Crying in the rain“. Besonders bei „I´ve been losing you“ und „Take on me“ tobte die Menge. Leider musste die Security häufig eingreifen, da das Gedränge sehr groß war und es wohl auch einige alkoholisierte Dänen gab, die sich Schlägereien hingaben.

Auch bei diesem Konzert gab Morten für zwei Songs sein Mikro an seine Bandmitglieder Magne und Paul weiter. „Sycamore leaves“ war gewohnt rockig und Pauls Gitarrenspiel wie auch sein Gesang waren brillant. Bei „Dragonfly“ überraschte Magne mit einem Textaussetzer, den er sehr charmant überspielte, indem er darüber lachte. Es schien, als hätte ihn der Patzer etwas aus dem Konzept gebracht, denn er vertauschte noch einige male Textpassagen im Song, was eigentlich bekanntlich eher Mortens Part auf der Bühne ist.

Mit „The living daylights“, das mittlerweile in einer typischen Raggea-Version endet, schlossen a-ha vorerst und verließen die Bühne, wurden aber abermals durch singen eben dieses Liedes kurzerhand auf die Bühne zurück geholt, denn niemand möchte a-ha ohne den Comebackhit „Summer moved on“ und dem Klassiker „The sun always shines on tv“ gehen lassen.

Alles in allem erlebten die Besucher in Middelfart unter der Brücke ein Konzert, das sich sehen lassen konnte: Eine gut gelaunte Band, die musikalisch in Topform ist, offenkundig Freude an ihrer Arbeit hat und Grund zur Hoffnung auf weitere Aktivitäten und sicherlich auch Konzerte in Deutschland gibt. Hierauf freuen wir uns schon heute.