Steve Barron, Regisseur zwischen „Take on me“ und „Butterfly“



Foto: Arran Brownlee
by courtesy of Steve Barron

a-ha-net Interview vom 14. September 2010 mit Steve Barron

Jeder a-ha Fan kennt seinen Namen. 1985 arbeitete er zum ersten Mal mit a-ha zusammen und erschuf das legendäre Musikvideo zu „Take on me“. Und so war er maßgeblich am Durchbruch von a-ha beteiligt. Es folgten die Videos zu „The sun always shines on TV“, „Hunting high and low“, „Cry wolf“, „Manhattan Skyline“ und „Crying in the rain“. Zudem arbeitete er mit den größten Stars der Musikgeschichte, wie Michael Jackson und Madonna zusammen. 25 Jahre später trafen sich Steve Barron und a-ha wieder und drehten das Video zu „Butterfly, Butterfly (the last hurrah)“.

Steve Barron nahm sich nun die Zeit und beantwortete ein paar Fragen für a-ha-net.de. Er sprach über seine Erlebnisse im Musikgeschäft, die Zusammenarbeit mit a-ha und die emotionale Schwierigkeiten beim Videodreh.

Mr. Barron, würden Sie den Fans zunächst ein bisschen etwas über sich erzählen? Wann haben Sie Ihre Leidenschaft für das Filmen entdeckt? Wie sind Sie dazu gekommen?

Ich hasste die Schule und hielt es dort auch nicht lange aus. Aber ich hatte einen Kunstlehrer, der mir eine Super8 Kamera gab um einen drei minütigen Film für meine Kunstprüfung zu machen. Ich war infiziert, denn es war die einzige Prüfung, die ich bestand. Ich wurde tea boy bei einem großen Kameraverleih mit Sitz in London und durfte bei der Crew von „A Bridge Too Far“ die Filmklappe bedienen. Großer Durchbruch.

Sie haben 1985 zum ersten Mal mit a-ha zusammengearbeitet. Es folgten unter anderem Videodrehs für „The sun always shines on TV“ und „Manhattan Skyline“. Nun, 25 Jahre später, haben Sie die Drei wieder getroffen. Gab es Unterschiede in der Zusammenarbeit, der Arbeitsweise? Haben a-ha sich verändert?

Sie sind offensichtlich klüger geworden, aber noch dieselben drei Jungs, die ich vor 25 Jahren traf. Es war schön wieder mit ihnen und ihrer bilderzeugenden Musik zu arbeiten.

Wie kam es zu der neuerlichen Zusammenarbeit mit a-ha? Hat es Ihnen Spaß gemacht wieder mit ihnen zu arbeiten?

Magne rief mich an und fragte, ob ich den Kreis schließen und das „Last Hurrah“ machen möchte. Ich sagte, dass ich das sehr gerne tun würde, wenn wir eine emotionale Idee finden könnten.

Haben Sie mit dem enormen Erfolg von „Take on me“ gerechnet, als Sie das Video 1985 machten?

Ich fühlte zu der Zeit, dass wir mit „Take on me“ auf dem Weg waren, etwas Spezielles zu tun. Die Ideen, Animationen und Musik und das gesamte Gefühl verband sich einfach miteinander. Ich wusste nicht, dass ich noch 25 Jahre später Interviews darüber führen würde.

Viele Musikvideos kommen heute gar nicht mehr ohne einen „Schocker“ aus. Da wird provoziert, auf verschiedenste Arten um Aufmerksamkeit zu erlangen. Der „Skandal“ um „The sun always shines on TV“ von 1986 ist dagegen vergleichsweise harmlos. Würde ein Video wie „Take on me“ heute überhaupt noch Beachtung finden? Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Es ist sehr schwer für Videos heutzutage noch Beachtung zu finden. Da gibt es einige großartige, die mit niedrigem Budget gemacht wurden, di in den 80ern bewundert worden wären, jetzt haben die Leute alles schon einmal gesehen und scheinen zynischer geworden zu sein - wir stammen alle aus einer sehr naiven Zeit, in der wir Filme und Ideen sehr begrenzt ausgesetzt waren. Diese Naivität hilft, denke ich, wenn wir aus der heutigen Zeit zurückblicken.

Sie haben nicht nur für a-ha, sondern auch für Paul McCartney (Pretty little head), den verstorbenen Michael Jackson (Billie Jean) und Madonna (Burning up) gearbeitet. Den größten Stars der Musikgeschichte. Können Sie etwas über diese Zusammenarbeit erzählen? Wie ist es mit den vielen unterschiedlichen Stars und Charakteren zu arbeiten?

Das Video von Jackson war ein besonderes Erlebnis. Der Blick durch die Kamera in dem Moment, als er im Studio zu tanzen begann, hat sich in mein Gedächtnis gebrannt. Da war etwas völlig Übermenschliches drin. Etwas, was ich niemals zuvor erlebt hatte.

Haben Sie, wenn Sie auf Ihre Arbeit mit den verschiedenen Künstler zurückblicken, ein Lieblingsvideo? Und wenn ja, was macht dieses Video aus?

Ich weiß nicht warum, aber ich habe eine große Zuneigung für das Human League „Fascination“ Video, das wir in den 80ern machten. Die Band spielt einfach in einem grauen Raum in einem roten Haus und einem roten Kreis auf der Straße von einem „Sie befinden sich hier“ Plakat. Für mich hat es den Geist dieser Zeit. Auch wenn ich später für lebenslang aus dem Royal Borough von Peckham verbannt wurde, weil es mir nicht möglich war die rote Farbe von der Straße zu entfernen.

Wie sammeln Sie Ideen für Ihre Clips? Arbeiten Sie eng mit den Künstler zusammen? Wie müssen wir uns das vorstellen?

Das Video zu Butterfly war mein erstes seit fast 15 Jahren. Es beginnt alles mit der Musik. Die Idee kann 5 Minuten oder 5 Tage brauchen.

Sie haben nicht nur Musikvideos gemacht, sondern auch Filme und Serien wie „Merlin“ Was macht Ihnen mehr Spaß? Ist es nicht schwieriger einen Plot für ein kurzes Musikvideo zu erarbeiten, als für einen Film, in dem man unter Umständen 90 Minuten Zeit hat?

Im Video dreht sich alles darum den richtigen Ton, die Atmosphäre und den Rhythmus zu finden, der sich am besten mit dem Track vereint. Wenn eine Geschichte passt, dann machst du eine Geschichte. Die Strukturen der meisten Songs passen nicht zu einer Geschichte. Tanz oder Animation gehen theoretisch die beste Ehe mit der Musik ein.

Die letzte Szene von „Butterfly“, als Morten, Magne und Paul sich umarmen, war im Hinblick auf a-has Abschied für viele Fans ein sehr bewegender und emotionaler Moment? Wissen Sie vorher genau, oder haben Sie Vorstellungen, wie solche Szenen auf den Betrachter wirken und was sie auslösen?

Ich sagte der Band, dass ich ein Video machen möchte, bei dem den Zuschauern (den Fans) ein Kloß im Hals sitzt, ihnen ein Schauer den Rücken herunter läuft oder sie sogar eine Träne verdrücken. Denn ich dachte, dass es das ist, was dieser Moment, dieses Ende der Ära verdient. Ich finde außerdem, dass Emotionen wirklich selten in einem Video sind. So puschte ich die Jungs wirklich dazu, emotional zu sein. Auch wenn sie spielten oder sangen bat ich sie, sich an ihre gemeinsame Zeit zu erinnern. Und als sie sich umarmten bat ich sie, still voneinander Abschied zu nehmen. Es war nicht einfach für sie, aber ich denke wirklich, dass es rüberkommt.

Zu guter Letzt: Gibt es noch irgendetwas, was Sie den Fans gerne sagen möchten? Vielleicht über Ihre Arbeit oder das neue Video?

Ich hoffe, dass ich zur Albert Hall als Teil der Farewell Tour gehen kann - ich freue mich wirklich darauf. Wie ihr, werde ich a-ha vermissen.

Vielen Dank an Mr. Barron für dieses Interview und dass er sich die Zeit nahm die Fragen so ausführlich zu beantworten. Wir wünschen Ihnen alles Gute!