Howard Greenhalgh


a-ha-net Interview vom 25. April 2006 mit Howard Greenhalgh

Howard Greenhalgh ist ein renommierter Regisseur, der 1963 in Halifax, West Yokshire, geboren wurde. Und sollte einem der Name eventuell nicht bekannt vorkommen, so kennt doch jeder seine Werbespots und Musikvideos. An die 200 Videos müssen es mitlerweile sein, zu denen Künstler wie Pet Shop Boys, Sting, Elton John, Soundgarden, Melanie C., Sugababes und Keane zählen. Auch Unternehmen wie Adidas, Nike, BBC, Reebok und Renault schätzen seine Künste und brachten ihm bereits etliche Auszeichnungen ein: 1993 den goldenen Löwen von Cannes, 1994 den MTV Video Award für Soundgarden mit „Black Hole Sun“, 1997 den International Monitors für Ford - um nur drei der wichtigsten zu nennen.

1993 arbeitete Howard Greenhalgh erstmals mit a-ha zusammen und drehte das Musikvideo zu „Angel“, einem melancholischen Stück, das wunderbar umgesetzt wurde. Nun, knapp 13 Jahre später, trafen a-ha und Howard wieder aufeinander und produzierten den Clip zu „Analogue“, a-has zweiter Singleauskoppelung, der vor allem bei den Fans sehr gut ankam. Aus diesem Grund freuen wir uns besonders, dass sich Howard Greenhalgh die Zeit für uns nahm und a-ha-net einige Fragen zu der Entstehung des Videos und vor allem über die Zusammenarbeit mit a-ha beantwortete.

Howard, du hast schon viele Videos gedreht. Woher nimmst du all die Ideen? Hörst du dir die Songs oft an? Oder/Und hatten a-ha ihre eigenen Ideen für das Musikvideo?

Ich habe wohl bereits über 200 Videos gemacht. Die Ideen kommen immer durch das Anhören der Songs, viele, viele Male. Man muss mehr als nur „zuhören“ und damit beginnen das Gesamte „Gefühl“ des Tracks wahrzunehmen. Der Titel ist immer wichtig. Ich hoffe immer, dass es mich beflügelt... mir einen Ausgangspunkt gibt.
Dann natürlich die Lyrik. Ich versuche wenn immer möglich zu illustrieren. Manchmal auf eine tangentiale, manchmal auf eine deutliche Art. Dann schau ich mir die Band an... wer sind sie, was versuchen sie zu vermitteln. Obwohl ich Musikvideos als eine echte Kunstform betrachte, sind sie kommerzielle Produkte, die beachtlich viele $$ kosten. Wenn al die kreativen Überlegungen gemacht sind, muss man noch den realistischen Kopf einschalten!

Was ist der spannendste Teil eines Videodrehs? Die Planung, die Arbeit mit den Künstlern oder die Post-Production?

Der beste Teil beim Drehen ist... das Drehen. Die Treffen, das Schreiben, das Nachdenken, alles hat seine interessanten Seiten, aber... wenn du an dem Tag am Set ankommst... und beginnst es umzusetzen... es ist ein großartiges Gefühl zu denken, dass diese Worte, die du im Büro sitzend geschrieben hast, nun lebendig werden. ......und dann fängt es an zu regnen!

Du hast mit vielen Künstlern wie Sting, Elton John, Pet Shop Boys usw. gearbeitet, und mit den meisten mehr als einmal. Wenn du zurückblickst, welches ist dein Lieblingsvideo und warum?

Unmöglich das zu beantworten. Ich vermute mein bedeutendstes Video ist über 10 Jahre alt. Black HOle sun von Soundgarden. Seitdem habe ich an vielen hervorragenden Projekten gearbeitet. Placebo ist meine persönliche Lieblingsband. Sie haben es durch pure Energie geschafft, und sind klasse Jungs, mit denen man gut zusammenarbeiten kann. The Pet Shop Boys erlaubten mir wirklich mit der Technik zu experimentieren, Enigma mit Textur, Religion und Sex (in dieser Reihenfolge!)... ich könnte so weiter machen.

Es war auch nicht das erste Mal, dass du bei einem a-ha-Video Regie geführt hast. Du hast auch das Video für den Song „Angel“ gemacht. Gab es einen Unterschied in der Arbeit von vor 13 Jahren und heute?

Ja, ich traf die Jungs Jahre zuvor bei „Angel“ zum ersten Mal. Das Video handelte von Liebe und Autounfällen. Es war großartig sie wieder zu sehen. Nicht viel hat sich verändert, abgesehen davon, dass wir wesentlich besser aussehen und auch bescheidener sind. Sie sind drei sehr scharfsinnige Typen die, wie ich wirklich glaube, fabelhafte Songs schreiben. Sie wissen wer sie sind und sie wissen, was sie wollen. Das ist selten.

Was ist für dich ein erfolgreicher Videodreh? Eine enge Zusammenarbeit mit den Künstlern, oder viel Freiraum für Deine eigenen Ideen?

Ich mag das Video, das wir gemacht haben... sehr. Es war eine Zusammenarbeit auf die Art, dass die Jungs mir erlaubten die Gesamtidee zu schreiben und dann mit mir daran arbeiteten es auszuformen. Ich bin dem Gefühl ihrer Pressefotos für den Monochrome-Look (s/w-Look) gefolgt, ich folgte der Lyrik für das ,Sonnen‘-Motiv. Ich schrieb die Idee von dem „schreiben mit dem Licht“, weil ich dachte, es gibt Morten eine spezifischere künstlerische Aktion zu performen, anstatt einfach nur die Lyrik in die Kamera zu singen. Ich dachte, der Song bräuchte ein Ende, das einen gut gelaunt zurücklässt. So schrieb ich das Feuerwerk hinein.
Mags fragte dann, ob es die Grafik des Albumcovers widerspiegeln könnte. Ich denke wir haben das für ihn erreicht.

Es ist nicht einfach für uns uns vorzustellen, wie ein Videodreh wie dieser abläuft. Was ist Teil der Post-Production? Gab es ein echtes Feuerwerk oder war es mit dem Computer animiert? Viele Fans hatten Angst wegen der Öl-/Gastanks. Kannst du sie beruhigen, dass die Tanks nicht explodiert sind?

Ich benutze sehr viel SFX (Anm.: Special Effects). Sie sind teuer und die Zeit läuft einem davon, noch vor den $$, aber es erlaubt mir Dinge zu kreieren, die du eben nicht aus dem Küchenfenster heraus siehst, sozusagen. Der Erfolg von Effekten bedeutet immer, so viel wie möglich in Wirklichkeit aufzunehmen und sie dann ,später zu verstärken‘. VIEL... von dem Feuerwerk war real. Die Vögel waren CG (Anm.: Computer Grafik), wie die Lichtschweife. Keines der Feuerwerke wurde tatsächlich bei den Tanks gedreht, da wir sie auf einem Parkplatz eine Meile weit weg gedreht haben.

Das Feuerwerk erinnert an das Design des Albums „Analogue“. War das deine Absicht?

Tatsächlich war es Mags' Idee zu versuchen die Pyrotechnik das Cover reflektieren zu lassen.

Wie lange dauerte der Videodreh mit a-ha?

Wir drehten das Video an einem sehr kurzen Wintertag. Die Wahrheit ist, in über 10 Stunden... und das ist wirklich sehr, sehr kurz.

„Analogue“ ist ein sehr schönes Musikvideo und die Fans mögen es! Welche Ideen stecken hinter dem Video? In welcher Verbindung steht es zu dem Song? Wie sieht deine Interpretation aus?

H.G.: (als Zusatz zu Frage 5) Ich liebe es, auf welche Art der Track eine Traurigkeit an sich hat. Der einsame Piano-Riff, die berührende Lyrik und das große draufgängerische Ende. Wenn es ein Film wäre, hätte es eine ziemlich guten ,Ablauf‘ und ,Höhepunkt‘ usw. Ich wollte, dass man zuerst die Traurigkeit fühlt, und es dann zu einer großen Feier heranwächst. Der Stil der Kinematographie war absichtlich „fehlerhaft“. Vollkommenheit war nicht geplant, wir alle mochten das misframing und die schwankende Kamera. Es vermittelt das Gefühl, als wäre der Film sehr real... wie der Track.

Die Atmosphäre am Anfang ist sehr kühl und distanziert. Es sieht so aus als währen da drei Personen, die sich nicht wirklich wahrnehmen. Sprichst du mit anderen über deine Videos? Bist du daran interessiert wie sie deine Arbeit interpretieren?

Drei Typen in einem Feld, die in die Kamera schauen und versuchen wie eine Band auszusehen. Ha! das haben wir Millionen Male zuvor gesehen. a-ha sind ein souveräner, gut etablierter Teil der Musikgeschichte. Sie dürfen auf eine unkonventionelle Art performen. Für sie und mich ging es um framing, Realität und dass die Kamera zu ihnen kommt, anstatt irgendeines Versuchs eines „großen“ Auftritts.

Danke, Howard, für das Interview und dass du dir die Zeit genommen hast so ausführlich auf die Fragen zu antworten. Wir wünschen dir alles Gute!